

Portresie de femme — we write herstory
Ein Augenblick mag flüchtig sein. Können wir ihn einfangen?
In Wort und Bild? PORTRESIE DE FEMME zeigt in Porträt und Poesie die unendliche Couleur von Frauen jeden Alters. Frauen, die sich an ganz unterschiedlichen Lebenspunkten befinden. Die Entscheidungen treffen, abwarten, weitergehen, ankommen, zusammenfinden, entdecken, vergessen.
In unserer schnellen, medialen Welt fehlt uns die Wertschätzung des Augenblicks. Und der Raum für Poesie. Mit unserem Projekt schenken wir beidem eine Bühne. Um andere Frauen zu inspirieren, um Momente, vielleicht sogar für immer, zu konservieren und um zu zeigen, dass wir uns in all unserer Unterschiedlichkeit oft in der Anderen wiederentdecken können.
PORTRESIE DE FEMME – das sind Luise Aedtner und Lara Leonie Keuthen. Wir sind Fotografin und Autorin und leben in München und Hamburg. Kennengelernt haben wir uns in den Bergen – zwischen Stricklieseln und Snowboards. Und mit dem guten Gefühl im Herzen, dass wir gemeinsam neue Geschichten schreiben werden.
DOWN WILL
Der Wille ist da.
Die Energie nicht immer.
Doch ich? Ich bleibe.
Ich bleibe hier.
In diesem Körper.
In diesem Leben.
In diesem Moment.
Als Mama, Künstlerin, Kämpferin, Hoffnungsschenkerin.
Ich bleibe hier, sitze hier, rosafarbene Wand. Keine rosarote Brille, dafür Ernüchterung.
Das Leben kann sich ändern, einfach so, von hier nach da, von heute auf morgen. Eine Reise nach Kopenhagen.
Eine Rückkehr in ein Leben, das plötzlich nicht mehr das gleiche ist.

ROLLENRAUSCH
Welche Rolle spiele ich in meinem eigenen Leben?
Es gibt Tage, da sitze ich weit außen, in sicherem Abstand, und fühle mich, als gäbe ich nur Regieanweisungen.
Regieanweisungen an mich selbst im eigenen Alltag. Ich stehe neben mir. Bewusst.
Reflektiere und beobachte. Du sollst heiraten, haben sie gesagt. Kinder bekommen, ein Haus bauen, einen guten Beruf ausüben.
Ich will frei sein.

Halt in meiner Vielfalt
Die Finger auf meiner Handinnenfläche kreisen flüchtig wie die Erde um die Sonne. Doch erzählen sie Geschichten.
Geschichten aus meinem eigenen Kosmos. Jede Linie auf meiner Hand erzählt eine eigene. Diese Hände haben viel begriffen in meinem Leben.
Noch heute spüre ich die Finger meiner Großmutter, wie sie mir und meinen Geschwistern des Abends auf ihrem kleinen Hof im ländlichen Afghanistan Geschichten auf unseren Händen erzählte.
Wir hatten keine Bücher – aber genug Fantasie. Ich war 3 ½ Jahre alt, als wir Afghanistan verlassen mussten.

Freiheitsfall
Die Devise? Krise.
Ich habe ein Faible für Krisen. Nicht die kleinen Alltags-Krisen, wie den verpassten Zug oder den kalten Kaffee.
Mich faszinieren Lebenskrisen. Richtig große Umbrüche, Momente, in denen wir fallen. Und am Boden ankommen.
Manchmal schnell, manchmal ganz langsam. Dabei ist der Bodenkontakt die Essenz.
Das unten ankommen.
Wir sinken herab, wie ein kleiner Kieselstein, der vom Meer verschlungen wird. Und unten, am Grund gelandet, haben wir die Möglichkeit, uns wieder abzustoßen.
Wir haben nicht immer die Kraft – aber im Grunde genommen die Chance dazu.
Ich habe viele dieser Krisen durchlebt. Mal liegend, mal sitzend.
Mein Aufstehen ist anders als deines.
Wenn ich wieder aufstehe, dann vom Krisenboden empor.
Stolz, stark, schön. Doch bis dahin war es ein langer Weg.












